Nicht, dass dieses Thema bei mir aktuell auf der Agenda stünde, aber nach den Veröffentlichungen der letzten Tage (man siehe
dort) ist dieses Kreditinstitut ins Gerede geraten, was ihm denn einfiele, bei
dem Gewinn Mitarbeiter zu entlassen, wo denn da die Moral wäre und die Politik solle da doch endlich mal. Da fragt man sich schon: Ist das richtig? Inwieweit ist das eine langfristige Planung, die die verbliebenen Arbeitsplätze sichert, inwieweit Profitdenken? Sind die Gewinne nicht dafür da, um Menschen zu Gute zu kommen? Nun, zum einen ist die Deutsche Bank zuvörderst ein profitorientiertes Unternehmen, davon sollte alle Überlegung ausgehen. Wer dies schon verwerflich findet, braucht gar nicht erst weiter zu lesen. Damit ist es nicht erstes Ziel der Bank, Gewinne primär sozialen Zwecken zuzuführen, sondern damit in Leistungen und Ideen zu investieren, die von Leuten gerne gekauft werden und dies nicht nur in Deutschland.
Mich stört bei dieser Diskussion diese sehr nationale Sicht. Natürlich baut die Deutsche Bank in Deutschland Arbeitsplätze ab, aber sie baut, wenn natürlich zunächst auch in geringerer Zahl, in anderen Staaten welche auf, und das aus zwei Gründen. Erstens kostet die Arbeit dort weniger. Ein oft gehörtes, aber immer noch zutreffendes Argument. Zweitens erwirtschaftet die Deutsche Bank den Großteil ihrer Gewinne, wie übrigens alle Großkonzerne in Deutschland, nicht mehr in Deutschland, daher investiert sie natürlich dort, wo die Wachstumsschancen und Gewinnaussichten besser sind als hier. Soweit zu den Binsenweisheiten.
Was aber im Raum steht, ist die Frage nach dem politischen Signal, das von dieser Entscheidung ausgeht und das offenbart ein schier unlösbares Problem. Die Deutsche Bank entscheidet sich zu diesem personalpolitischen Schritt in einer Zeit, in der die (vorsichtig ausgedrückt) Wirtschaftskritik Konjunktur hat. Die Arbeitslosenzahlen steigen und steigen, auch wenn die harten Reformen der Regierung als Mittel angepriesen wurden und bisher ohne spürbaren Effekt blieben. Und da kommt jetzt die Deutsche Bank daher, Herr Dr. Ackermann ist dem öffentlichen Gedächtnis seit dem unsäglichen Mannesmann-Prozess noch in schlechter Erinnerung, und baut Stellen trotz hoher Gewinne ab. Ja, wie denn jetzt? Erst sollen die Reformen das Wirtschaftswachstum fördern und damit Arbeitsplätze entstehen und jetzt sowas, man weiß nicht, ob die Deutsche Bank das Spiel nicht kapiert hat oder einfach nur zu profitgierig ist. Doch der solchermaßen aufgebaute Gegensatz ist gar keiner. Arbeitsplätze und Wachstum hängen nur sehr lose zusammen. Die Bevölkerung begegnet der Wirtschaft (die sie ja eigentlich selbst ist) mit Unkenntnis und Furcht. Dabei haben wir uns die Knebel, die zur Furcht Anlass geben, selbst angelegt. Es sind die starren Tarifverträge und die hohen Sozialkosten der Löhne, die uns eigentlich Sicherheit geben sollten (und auch gaben), die aber in der Zeit der Globalisierung fesseln und Wandel verhindern. Die Deutsche Bank ist nicht in allen Gebieten auf deutsche Arbeitnehmer mehr angewiesen. Das bedauern nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch die Nationalisten. Was meiner Meinung nach fehlt, ist: Der lange Atem, Reformen wirken sich nicht von jetzt auf gleich aus; Die wirtschaftliche Sicht, wer möchte, dass Unternehmen wir die Deutsche Bank zukünftig noch eine Bedeutung haben, soll ihr zugestehen, das nötige dafür zu tun; Die Einsicht, dass die bisherigen Reformen nur der Anfang gewesen sein können, die entscheidenden Reformen (Steuern, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Rente) sind ja noch gar nicht recht angegangen worden. Aber wie gern hört man doch auf das Gerede von Stärkung der Binnennachfrage durch Staatsausgaben, dass der Haushalt der letzten Jahre gerade mal so verfassungskonform war: geschenkt.
Dieses sehr nationale Verständnis von Wirtschaft macht die Diskussion so schwer. Andere Staaten schwingen sich gerade auf, Wohlstand zu erwerben. Dabei sind sie dezeit noch billiger als die Wohlstandsstaaten. Natürlich knabbern sie damit an unserer Substanz, aber diese Entwicklung hat auch erfreuliche Seiten. Der oftmals beklagt Umstand, dass es den vielen anderen Staaten der Welt schlecht geht, wird damit langsam gelindert, Arbeitsplätze entstehen dort, Investitionen fließen dorthin. Diese fehlen unter Umständen bei uns. Unter Umständen. Es sei denn, wir können etwas bieten, was die Arbeiter in diesen Ländern nicht bieten können. Und das wäre zum Beispiel derzeit noch Bildung, Forschungseinrichtungen, gute Infrastruktur, flexible Arbeitsbedingungen und dergleichen mehr. Und genau da fehlt uns die Umsetzung der Konzepte, die schon längst auf dem Tisch liegen: Bildungsoffensive, geringere Lohnnebenkosten, mehr Eigenverantwortung in der Vorsorge, flexiblere Arbeitsumstände, erleichterte Unternehmensgründungen. Man geht fehl, wenn man annimmt, die kommenden Generationen würden nur einen Beruf erlernen und ausüben. Man geht fehl, wenn man annimmt, der Staat könne bei jeder demografischen Entwicklung für jeden gut fürs Alter vorsorgen. Man geht fehl, wenn man annimmt, dass die Schulen weiterhin am staatlichen Gängelband geführt werden können, und immer besser ausgebildete Schüler hervorbringen.
Man geht ebenso fehl, wenn man annimmt, die Deutsche Bank werde sich aus einer unerklärlichen Dankbarkeit in Deutschland gegen Stellenabbau entscheiden, der ökonomisch geboten ist, nur, weil ... ja, warum eigentlich? Die Deutsche Bank tut mir nicht leid, sie wird schon gewusst haben, wie ihre Entscheidung ankommt und die Folgen abgewägt haben. Sie verdient nur nicht dieses Jammergeschrei, das aus allen Ecken auf sie einströmt.
Das unlösbare Problem besteht letztendlich darin: Reformen ja, aber nicht mit meinem Geld, wirtschaftliche Hilfe für arme Länder ja, aber nur an Weihnachten, Arbeitsplatzabbau nie, es gibt ja so schon so wahnsinnig wenig, Profit ist schlecht, Schuldenmachen für Soziales gut. Ich denke, in solch einem Klima von kruden Vorstellungen und blanker Unkenntnis haben es Reformen schwer. Radikale Marktschreier weniger. Ich würde ein Konto bei der Deutschen Bank eröffnen. Wenn sie bessere Konditionen hätten.
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