Schlussgebet - kleine Texte in großen Abständen.

Donnerstag, Februar 10, 2005

Ein fantastisches Märchen

Es war einmal ein kleiner Junge mit einer im wahrsten Sinne des Wortes fantastischen Gabe. Es war ihm möglich, mit der Kraft seiner Fantasie, sein Leben immer zu seinen Gunsten umzugestalten. So erträumte er sich in der Schule einfach immer die guten Noten, die er in Wirklichkeit nie hatte, verwandelte sein kleines Holzauto in ein schick glänzendes Ferrari-Modell und hatte ungeachtet des Wetters immer Sonnenschein im Gesicht.
Eine solche Gabe, so dachte der kleine Junge bei sich, darf nicht verschwendet werden. Und er sinnierte über Möglichkeiten nach, sein Talent einsetzen zu können. Da ihm Dreh- oder Kinderbuchautor zu profan erschien, beschloss er, die Welt mit der Macht der Fantasie von allem Übel zu befreien.
Das größte Übel zu der Zeit aber hieß Rachnokrim und war ein furchterregender, roter, riesiger Drache, der in einer Höhle nahe der Heimatstadt des kleinen Jungen lebte. Also machte dieser sich auf, den Drachen zu besiegen.
Als er nun in die Höhle des Drachen stapfte, klopfte das Herz des kleinen Jungen gar fürchterlich, und als er dann auch noch das Gebrüll des Drachen hörte (der gerade in einer mächtigen Brüll-Stimmung war) fühlte er sich fast wie gelähmt. Aber der kleine Junge besann sich seiner Gabe und trat dem furchterregenden Drachen mutig entgegen. Als der kleine Junge dem Drachen immer näher kam, erkannte er Kraft seiner Fantasie, dass da gar kein furchterregender roter Drache im Dunkel der Höhle lag, sondern nur ein weiches, kuschliges, rotes Plüchsofa, auf dem es sich der kleine Junge sofort bequem machte.
Der Drache aber erkannte, dass er selbst völlig fantasielos war und biss dem kleinen Jungen den Kopf ab.