Schlussgebet - kleine Texte in großen Abständen.

Dienstag, September 14, 2004

Spülschwamm revisited

Ich spüle gerne. Das warme Wasser, der Duft nach 'Meeresfrisch', der zarte Schaum, der meine Finger umschmeichelt: Ein Genuss. Auch psychologisch nicht zu unterschätzen ist das Erfahren der Reinigung, der Läuterung des Esswerkzeugs vom ungehemmten Gelage kurz vorher. Das Reinigungsritual ruft zur Einkehr, gemahnt an Contenance, an Nachhaltigkeit. Um so mehr erzürnt mich, dass verlotterte Zeitgenossen dieser auch seelenhygienischen Tätigkeit nicht nachkommen. Wenn sie wüssten, wie sehr sie darunter leiden! Wenn sie ahnten, welch Ungemach sie sich und ihrer Mitwelt bereiteten! Nicht nur, dass die Pril-Beichte empfindlich gestört wird, wenn man, um selbst speisen zu können, zunächst anderer Leute Geschirr reinigen muss! Wie beschmutzt man sich fühlt! Wie missbraucht! Ich kann nur hoffen, dass mein leuchtendes Beispiel, meine Haltung, diesen anderen Zeichen ist. Wie zufrieden sie wären, wie sehr mit sich im Reinen! Wie rein auch die Küche wäre! Die Kosten für die Putzfrauen würden bestimmt um 25% sinken.