Schlussgebet - kleine Texte in großen Abständen.

Freitag, Oktober 29, 2004

Halloween et al.

Wer sich in den nächsten Tagen in gewisse Etablissements begibt, könnte von Spinnweben, Vampiren, Kürbissen und ähnlich unangenehmen Tresenschmuck böse überrascht werden. "Amerikanischer Kulturterrorismus!" mag da der eine odere andere (oder gar beide) ausrufen. Doch der Besserwisser in mir verweist mit sardonischen Lächeln auf http://de.wikipedia.org/wiki/Halloween und merkt daher an: "Mitnichten amerikanisch, nörgelnder Zeitgenosse. Keltisch, höchstens irisch, wenn Sie so wollen, in jedem Fall aber britisch und keltischen Ursprungs." Und dann (als Todesstoß gewissermaßen): Unser Weihnachtsbaum entstammt ja auch keltischer Tradition und wird (meines Wissens) nicht so sehr verdammt. Dazu kommt: Das, was in verschiedenen Regionen Deutschlands als Fastnacht, Karneval, Fasching regiert, ist auch nicht gerade hier so entstanden, geschweige denn schön oder ähnliches. Kurzum: Gegen Halloween lassen sich nur kulturbesitzstandswahrerische Argumente ins Feld führen, und "Keltischer Kulturterrorismus!" habe ich noch niemanden sagen hören. Daher: Einfach mitmachen oder nicht. Oder ein neues Fest erfinden. Hier ein paar Anregungen: a) Ein Fest, das dem Eintopf huldigt. Dazu vermummt man sich in Kartoffelsäcke und bewirft Zeitgenossen mit trockenen Linsen, b) Eine rauschende Festnacht im Frühjahr, in der man feiert, dass man sich wieder auf den Herbst freut, könnte z. B. "Oktoberfest" heißen. Naja, dem geneigten Leser fällt bestimmt noch mehr ein. Auf ausdrücklichen Wunsch lösche ich diesen Blogeintrag auch gerne wieder.

Dienstag, Oktober 26, 2004

Die Weisheit des Tages

Atme niemals tief ein, solange Du Dich in einer Bahnhofsunterführung befindest.

Freitag, Oktober 22, 2004

Neue Worte braucht das web

Machmal kommen einem ja einfach so, zum Beispiel wartend an der Bushaltestelle, neue Worte in den Kopf.
Mir fiel heute "Schweinereivermeider" ein. Und ich dachte mir: Sicherlich hat noch nie zuvor ein Mensch diese vorzügliche Wortkombination gedacht oder gar benutzt. Ein schneller Blick auf Google überzeugte mich: keine Treffer.
Nur: Was macht man nun damit? www.Schweinereivermeider.de reservieren? Als Marke anmelden? Und dann? Und vor allem: Wozu?
Schon tragisch, wenn die eigene Kreativität einem nicht dabei hilft, Geniales zu erschaffen, Weltprobleme zu lösen oder zumindest etwas vermarktfähiges hervorbringt, sondern nur solche Worte wie "Schweinereivermeider".
Wobei... Will jemand die Rechte an "Schweinereivermeider" kaufen? Nein? Schade.

Perfide

Ich werde von Hans Eichel verfolgt.
Ehrlich.
Seit Tagen schon entdecke ich immer wieder Hans Eichel. Im Auto an mir vorbei fahrend. In der Fußgängerzone. Weiter vorne an der Kasse.
Ein zweiter Blick überzeugt mich dann immer davon, dass es sich nur um eine Hans Eichel mehr oder weniger entfernt ähnlich sehende Person handelt, aber der Schock sitzt jedesmal tief. Und ich begann zu grübeln.
Das kann doch kein Zufall sein. Meine geistige Gesundheit in Frage zu stellen fällt mir naturgemäß recht schwer, also muss eine andere Erklärung her. Ich sehe einen Plan: Die Bundesregierung, schon lange klamm, versucht säumigen Steuerzahlern und gemeinen Steuerhinterziehern ein schlechtes Gewissen zu machen. (Nicht das ich mich zu einer dieser Gruppen zugehörig fühlen müsste.)
So werden wohl offensichtlich Hans-Eichel-Lookalikes unters Volk geschickt, immer gehäuft auftretend, um Verfolgswahn unter denen hervorzurufen, die dem Staate Geld schulden.
Ich warte ja nur darauf, das Hans sich irgendwann mal umdreht, auf einen Passanten zeigt und ruft: "Haltet ihn, er ist ein Steuerhinterzieher!"
Ich würde nichts unversucht lassen, diesen Schurken am Kragen zu packen. Damit der Spuk endlich ein Ende hat.

Mittwoch, Oktober 13, 2004

Rechts vor links

Philipp kommt zum Kaffee, da muss Kaffee her. Ich: auf zum Fahrrad und losgeradelt, Kaffee kaufen. Dann diese Kreuzung mit der Rechts-vor-links-Regelung. 3 Autos und 1 Fahrrad (ich) kommen gleichzeitig an, als schwächster Verkehrsteilnehmer halte ich an und warte, wie die anderen auch. Problem. Dame rechts von mir im türkisen Corsa von auswärts lächelt unsicher. Dem Passat links von mir wirds zu doof, baust los. Volvo von vorne fährt gleich danach auch los, seine Erleichterung fast schon greifbar. Dame rechts lächelt immer noch, fährt aber nicht. Ich lächle mal zurück. Fahr schon! Nichts passiert. Ich denke mir: "Sie fährt nicht. Dann fahre ich halt. Sie lächelt ja." Dame und ich fahren gleichzeitig los. Ich verwünsche sie in die tiefsten Abgründe der Autofahrerhölle, bremse. Sie reagiert auch mit Bremsen, die Kuh. Dame lächelt nicht mehr so dolle, aber guckt gespannt zu, wie ich sie resigniert rechtsherum umfahre und hoffe, sie habe heute nur ihre Pillen nicht genommen. Tengelmann, Jacobs Krönung: 3,29 EUR. Rückweg, selbe Straße, eine Kreuzung früher: Dame von eben kommt wieder von mir aus gesehen rechts, ich will geistig erbrechen, sie bremst aber diesmal für mich. Ich nicke salbungsvoll und fahre.

Donnerstag, Oktober 07, 2004

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