Schlussgebet - kleine Texte in großen Abständen.

Mittwoch, September 29, 2004

Selbstbezügliches

Ein Blog: Was ist das? Warum schreibt man das? Was bringt Menschen dazu, Gedanken, Erlebnisse, Ideen, Lustiges, Absurdes in ein Medium zu stellen, in dem es von jedem anonym gelesen werden kann? Verspricht man sich davon Anerkennung? Wohl kaum, anonyme User geben eigentlich nie Feedback. Will man die Welt verändern? Illusorisch, dafür werden es vermutlich zu wenige lesen, dazu ist das Angebot an Blogs zu groß. Da müsste man schon ganz auffällig daherkommen. Selbstbestätigung? Schon eher, auch wenn diese aus obigen Gründen gering ausfällt. Kurzum: Die Gründe dafür, ein Blog zu schreiben, sind nicht in idealistischen Motiven zu suchen, nicht in Straben nach wirtschaftlichem Vorteil, nach intellektueller (oder sonstiger) Anerkennung. Was bleibt an möglichen Pfründen für Ursachen? Langeweile. Naja. Wenn ich damit anfange, können wir das Blog auch gleich dicht machen. Drum bleibt es bei einer unbegründeten Freude am Wortesetzen in diesem Blog, ohne Fragen nach Ursachen oder Wirkungen. (Ich hatte am 29.09. diesen Artikel als Entwurf gespeichert und nicht weitergeschrieben. Am 30.09. veröffentlichte dann Restposten seinen Blog-Blogeintrag. Somit wurde mein Eintrag obsolet, schal und abgeschmackt. Er erscheint nur aus dokumentarischen Zwecken für die interessierte Nachwelt.)

Dienstag, September 28, 2004

Privat, mobil

Die heutige Zeit verlangt Mobilität, i. a. W. örtliche Flexibilität. Viele Bereiche des täglichen Lebens sind an diese Anforderungen schon angepasst. Kommunikation (Handy), Arbeiten (Laptop), Essen (McDonalds). Was aber im Reigen der angepassten Lebensbereiche fehlt, ist eine Akzeptanz und Technologie für Haushaltstätigkeiten im mobilen Leben des urbanen Menschen. Nicht jeder kann es sich leisten (auch zeitlich), sein Leibchen in die Reinigung zu geben oder bei Muttern mangeln zu lassen. Drum macht dies selbst, wer selbst ist, Frau oder Mann. Doch wo sind sie, die Bügelbrett-Stationen im ICE? Wo sind die Rent-a-Nähnessessaire-Shops? Das Einweg-Schuhputzequipment? Hinzu kommt: Derzeit würde man im ICE von den Mitfahrenden wie ein Aussätziger behandelt, begönne man zwischen Frankfurt und Kassel mit dem Schuhputz oder bügelte seiner Hose wieder frische Bügelfalten ein. Es ist tabu. In der Fernsehsendung "Big Brother" darf öffentlich geduscht, persönlich unterredet, koitiert werden, aber ich darf in der Bahn nicht ohne sozial geächtet zu werden meine Schuhe putzen. Ein Paradigmen- und Wertewechsel ist da längst überfällig.

Comedy

Die Fernsehlandschaft ist überflutet. Mit Comedy-Shows. Selbst konservative Schätzungen gehen davon aus, dass inzwischen über 86% der ausgestrahlten Sendungen sich dem Humor an sich widmen (bzw. es versuchen).
Leider wird dabei eine Perle deutschen Humors seit Jahren verkannt und von der Masse kaum beachtet. Ein Kleinod, welches, kaum beachtet, am Rande der Primetime sein Dasein fristet. Dessen eloquenter und witzsprühender Moderator immer mal wieder mitten im referieren seiner literarischen Ergüsse hart unterbrochen wird, um die Sendezeit an etwas Werbung und die tägliche Leichenzählerei abzugeben.
Ich spreche vom ARD-Börsenmann vor der Tagesschau.
Ehrlich.
Mal wieder anschauen.

Vielleicht gründe ich einen Fanclub...

Oktober's coming near

"Jonas, können wir uns da nicht einigen? Ich brauche nur ein paar Tage." "Vergiss es. Du bist lästig, unangenehm und ansteckend." "Nicht, dass du eine Wahl hättest. Sei doch vernünftig." "Ich ignoriere dich." "Jonas, du kennst doch die Regeln." "Sei ruhig." "Es wird Herbst, alle Menschen bekommen eine Erkältung, diesmal bist auch du wieder dran." "Ich kaufe Salbeitee." "Der schmeckt dir doch auch nicht. Ich werde langsam ungeduldig. Wir können doch nicht die ganze Inkubationszeit verquasseln. Ich infiziere schonmal deine Nasenschleimhäute." "Warte!" "Zu spät." "Idiot!" "Nanana! Halskratzen ist in die Wege geleitet. Wenn ichs mir recht überlege, ich verhandle nicht mehr." "Halt! Ha ... Ha-tschi! Scheiße. Haben Sie ein Taschentuch?"

Freitag, September 24, 2004

Es ging ein Fisch zu Tale

Es ging ein Fisch zu Tale, er ging nicht schnell. Tausend Tauben trübten seinen Blick. Das Alphorn heulte, das Echo heulte, die Tauben heulten. Am Fels traf er die Alge. Hundert Habichte lauschten ihren Worten. Der Gletscher schmolz, die Hoffnung schmolz. Es ging der Fisch zur Alge. "Sieh meine tausend Tauben, Alge." "Sieh meine Hundert Habichte, Fisch." Es ging die Alge zu Tale, sie ging nicht schnell.

Interpretieren Sie den Text, so gut es geht. Mögen Sie Sushi?

Donnerstag, September 23, 2004

Das Wort hat der Abgeordnete Herr Dr. Durst von der Reinen Partei Deutschlands

Herr Präsident, hohes Haus, meine Damen und Herren, als ich einen Blick in den Haushaltsentwurf der Regierung warf, entfuhr mir ein erstauntes "Fuck!". (Raunen) Ein solcher Bullshit ist mir in meiner gesamten 1-jährigen Parlamentarierzeit nicht untergekommen. Da werden Zahlen addiert und subtrahiert, Prozentzeichen inflationär verwendet und Zahlen einer Größenordnung notiert, die dem Normalbürger - und als solchen würde ich mich bezeichnen - die Haare im Hals umdrehen. (Applaus, Zwischenrufe) Ganz offensichtlich ... (Zwischenrufe) ... Ganz offensichtlich will uns hier die Regierung weis machen, sie habe da den Überblick und wisse, was dieser 500-seitige Ziffernhaufen bedeutet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, niemand im Ernst kann ... (Parlamentspräsident ruft zur Ruhe) ... ich kann mir vorstellen, dass Ihnen von der Regierung mein Redebeitrag nicht gefällt, aber ... (Zwischenrufe) ... aber auch Sie können diesen Fakten nichts entgegensetzen! Niemand von der Regierung, erst recht nicht unser sauberer Herr Finanzminister kann im Ernst (im Hintergrund Tumult) von sich behaupten, diesen Entwurf zu kapieren. Ich fordere Sie daher dazu auf ... (Parlamentspräsident: 'Herr Dr. Durst, gestatten Sie eine Zwischenfrage?') Nein, jetzt nicht. Ich fordere Sie daher dazu auf, im Sinne der (Tumult, Zwischenrufe) ... ich fordere Sie daher dazu auf ... (Parlamentspräsident: 'Herr Dr. Durst, bitte achten Sie auf Ihre Redezeit.') Oh, ich habe schon meine Zeit überzogen. Ja, äh, dann ... Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Dienstag, September 21, 2004

Gewaltsames Ende einer anglophilen WC-Ente

Holy Shit!
It's a ...
It's a ...
It's a ...
It's a ...
*gurgelndes Geräusch*

Montag, September 20, 2004

Touch The Earth

you're a dentist on the water
flowers blast into my brain
as we run away from california
flowers, they don't need my pain

refrain:
swim, swim, swim you maiden of the root
but don't hit me with you fingertoes
'cause that's all not my fault
'cause that's all not my fault, uh-huuh ...

you're a psychiatrist on speed
when we rumble through the plain
but never look my face again
and my tears go with the rain

refrain:
swim, ...

cookies tumble down your back
but they need our love tonight
let's feed them, eat them, heed them
'cause they need our love tonight

refrain:
swim, ...

Sonntag, September 19, 2004

Miesepetrige Sprachkolumne

Was diesem Blog fehlt, ist eine miesepetrige Sprachkolumne. Hier kommt sie:

Was ist das für ein prächtiges Wort: "Vielerorts"! Die Nachrichtenhintergrundsprecher verwenden es - noch - oft und gerne. "Vielerorts": Ein komprimiertes "an vielen Orten", ein Kleinod deutscher Sprachpräzision. Im Deutsch unserer Tage haben sich wenige solcher Worte halten können und anscheinend auch nur im Biotop der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Wie öde und leer dagegen die mundgerecht vorgekauten, plastikdeutschen Hintergrundkommentare der Privatsender, die dem Pöbel in den News von Trends und Stars berichten, und das mit einem Wortschatz, der auf eine Zigarettenschachtel passt.

Die Deutschen sind bekannt für ihre Ingenieurskunst, und sie waren einst bekannt für ihre Sprachingenieure. Die Sprachingenieure dachten: "'An vielen Orten', wie bekommen wir das kleiner, kürzer, effizienter hin?" Ihnen sind Worte zu verdanken wie "hinterrücks", "bisweilen" oder "Eigenheim". Da ist kurz und sinnfällig in einem Wort, was sonst mehrerer bedürfte. Doch haben die Deutschen heutzutage nichts besseres zu tun, als diese Worte in die Mottenkiste zu packen und hippe Ausdrücke aus dem ach so pragmatischen Amerikanisch-Englisch zu importieren. Der Duden bläst eifrig ins selbe Horn und - schwupps - finden wir diese Unworte binnen kürzester Zeit in der vermeintlichen Richtschnur deutscher Sprache wieder.

Hoffnung dämmert von unerwarteter Seite: Vom deutschen Sprechgesang. Dort finden gelegentlich vom Aussterben bedrohte Worte Unterschlupf, was nicht verwundert, ist doch die Sprache das tragende Element in dieser Stilrichtung. Auch so in genannten "Poetry Slams" setzen die Teilnehmer auf die scheinbare Exotik alter deutscher Worte. Daher bleibt nur der Aufruf: "Germanophile, Linguisten! Hört mehr 'Fanta 4'!"

Samstag, September 18, 2004

Kapitalismuskritik

Wenn ich in den Discounter meines Vertrauens gehe, den Einkaufswagen mit einem Eineurostück oder einem Chip auslöse, durch diesen ganzen mit Konsumgütern vollgestopften Laden gehe und die Menschen beobachte, wie sie mit gierigem Blick die Regale mustern, mit vor Gierschweiß feuchten Händen Waren in ihren Korb legen wie Mehl, Butter, Elektrokettensägen oder saure Gurken (49 Cent) und dann eilig an die Kassen stürmen, mit vor Geiz verknöchertem Gesicht die Scheine zur höhnisch dreinblickenden Kassiererin geben und diese dann das spärliche Rückgeld auszahlt und mit sardonischem Lächeln den Kassenbon auf die aufgetürmten Kalorien, Polyethylene oder Silicate legt, dann denke ich immer: "Kann es etwas Unpraktischeres geben als Eletrokettensägen?" Ich taumle wie bekifft durch die Regalalleen und kaufe wirklich nur das, was jeder Mensch wirklich zum Leben braucht. Schokolade, Tiefkühlpizza und CD-Rohlinge. Ich zahle passend.

Donnerstag, September 16, 2004

Lieblingstiere. Heute: Die Wespe.

Seit ihrem Abstieg aus der 1. Bundesliga hat sich die Wespe in ganz Deutschland eine solide Existenz als Mikrozuckerrestsammlerin aufgebaut. Sie schwirrt immerzu herbei, wenn Glukosehaltiges auf der Tafel steht. Ihr munteres Schwirren versetzt die dankbaren Menschen in freudiges Armewinken. Törichte Gesellen missgönnen ihr ihren Lohn und morden diesen Nützling der leeren Teller. In ihren Zentralen in Frankfurt und London werden die Ernten gesammelt und weltweit gehandelt. Das straff und dezentral organisierte Unternehmen agiert ohne erkennbare Hierarchie. Wachstumschancen erkennbar. Zukauf zum Depot empfohlen.

Geistesweiche

Geistesweiche?
Geist, weiche!
Welche Weiche?

Wacher Geist?
Wache, Geist!
Welcher Geist?

Das ist hart.

Rasante Fahrt durch die Grammatik

Heyhey! Willkommen in diesem Blogeintrag! Machen Sie sichs schonmal bequem, denn gleich geht es los! Heiße Partizipialkonstruktionen, irrwitzige Kommasetzung, atemberaubende Schraubensätze! Sie werden auf Ihre Kosten kommen auf unserer Reise durch den Dschungel der Groß- und Kleinschreibungsregeln, durch die Sümpfe der Getrenntschreibung und die Höhen und Täler der substantivierten Verben! Gleich geht's los! Und noch ein Ausrufezeichen! Yeah!

Mittwoch, September 15, 2004

Tipp des Tages

Einfach mal an was anderes denken!

Mord in der Zukunft

Schon einmal darüber nachgedacht, wie in Zukunft die ungeliebten Mitmenschen unlieber Personen um die Ecke gebracht werden könnten? Nein? Ein paar Vorschläge gefällig? Wusste ich es:

- Mit Sicherheit wird es irgendwann Nanobots zur Reinigung von Abflüssen geben. Diese unauffällig in das Getränk des Opfers gemischt sollte eine recht sichere Methode sein. Und das Beste: die Sauerei bleibt drin.

- Sehr beliebt wird sicher auch das Abtrennen wichtiger Körperteile (Kopf) mit dem leicht modifizierten Laser-Dosenöffner.

- Haushaltsroboter umprogrammieren wird natürlich auch möglich sein. Aber hier lasse ich mal Ihrer Kreativität freien Lauf. Ja, nur zu.

Dienstag, September 14, 2004

Spülschwamm revisited

Ich spüle gerne. Das warme Wasser, der Duft nach 'Meeresfrisch', der zarte Schaum, der meine Finger umschmeichelt: Ein Genuss. Auch psychologisch nicht zu unterschätzen ist das Erfahren der Reinigung, der Läuterung des Esswerkzeugs vom ungehemmten Gelage kurz vorher. Das Reinigungsritual ruft zur Einkehr, gemahnt an Contenance, an Nachhaltigkeit. Um so mehr erzürnt mich, dass verlotterte Zeitgenossen dieser auch seelenhygienischen Tätigkeit nicht nachkommen. Wenn sie wüssten, wie sehr sie darunter leiden! Wenn sie ahnten, welch Ungemach sie sich und ihrer Mitwelt bereiteten! Nicht nur, dass die Pril-Beichte empfindlich gestört wird, wenn man, um selbst speisen zu können, zunächst anderer Leute Geschirr reinigen muss! Wie beschmutzt man sich fühlt! Wie missbraucht! Ich kann nur hoffen, dass mein leuchtendes Beispiel, meine Haltung, diesen anderen Zeichen ist. Wie zufrieden sie wären, wie sehr mit sich im Reinen! Wie rein auch die Küche wäre! Die Kosten für die Putzfrauen würden bestimmt um 25% sinken.

Montag, September 13, 2004

Demografischer Wandel

Wie soll denn das mal mit Olympia aussehen, wenn die über 60-Jährigen mehr als die Hälfte der Bevölkerung stellt? Weltrekorde erwarte ich da nicht. Allein schon das Turmspringen ... ich mags mir gar nicht vorstellen. Dann brechen auch die Zuschauerzahlen ein, Olympiaden versinken in der Bedeutungslosigkeit, Weltkrieg. Mal drüber nachdenken.