Schlussgebet - kleine Texte in großen Abständen.

Sonntag, November 21, 2004

Experimente

Ich möchte noch einmal auf die Shakespeare-schreibenden Affen zu sprechen kommen. Man hat ja sicher schon einmal die entsprechende Aussage gehört oder gelesen: Hätte man eine Million Affen, denen man eine entsprechende Zahl Schreibmaschinen zur Verfügung gestellt hat und die indoktriniert wären, auf eben diese tagaus tagein herumzuhämmern, dann würde sicherlich irgendwann einmal, sei es auch mehrere Millionen Jahre später, ein Affe genau die Zeichenfolge tippen, die z.B. einem Werk von Shakespeare entspricht.

Das diese Aussage quasi völlig blödsinnig ist, liegt zwar auf der Hand, aber hier einige Gedanken dazu.
Zuallererst würde Greenpeace das nie zulassen, auch Joschka Fischer mitsamt grünem Anhang würde sich vermutlich an die nächste Palme ketten, denn den Flug zur Palme kriegt man ja als Minister von der Bundeswehr für kostenlos.
Zudem fällt primatenbezogen auf: Die Lebenserwartung eines Affen ist beschränkt, es muss natürlich für Nachwuchs gesorgt werden. Dazu muss der Affe an sich dann schon mal das Schreibutensil verlassen, sprich, ein andergeschlechtliches Wesen gleicher Gattung bespringen. Folglich ist es notwendig dem Affen etwas Freiraum und -zeit zu gönnen, um seiner Artgenossen ansichtig zu werden. Auch an ausreichend Schlaf und die tägliche Banane will gedacht sein, die effektive Arbeitszeit eines Affen reduziert sich dadurch doch deutlich auf maximal 12 Stunden am Tag. Das ganze dauert also gleich mal doppelt so lange wie geplant!
Des weiteren muss man bei der langen Laufzeit eines entsprechenden Experiments (Millionen von Jahren) darauf gefasst machen, das der Affe so mir nichts dir nichts einfach ausstirbt. Da schaut man dann schon blöd aus der Wäsche, als Versuchsleiter.

Ebenfalls nicht ganz ohne Probleme ist die Ernährung der Affenhorde. Eine Million Affen brauchen ja mindestens eine Million Bananen am Tag, und wahrscheinlich noch das ein oder andere mehr. Es werden jährlich ca. 45 Millionen Tonnen Bananen produziert, was umgerechnet einem großen Haufen Bananen entspricht. Das reicht vermutlich für unsere Äffchen, aber billig wird das nicht!

Da das ganze ja wirklich ewig dauert, und auch einen Haufen Geld kostet, den wahrscheinlich niemand bereit ist zu zahlen (außer vielleicht irgendwelchen Scheichs, die es tun, einfach weil sie es können, zumindest solange das Öl noch sprudelt) kann man die Sache entweder vergessen oder folgendermaßen beschleunigen:
Man ersetzt die Schreibmaschinen durch Computer, denn die Wahrscheinlichkeit das es ein Affe schafft, die Tastenkombinationen zu drücken, die notwendig sind, um sich auf Projekt Gutenberg die entsprechenden Texte zu laden, sind doch viel höher, als den ganze Müll selber zu tippen. Und vielleicht kann man sich schon nach ein paar Tagen auf die Schultern klopfen, und stolz einen Artikel für National Geographic schreiben.
Vorhang.