Schlussgebet - kleine Texte in großen Abständen.

Sonntag, September 26, 2004

Mitternacht

Ich habe zum Geburtstag einen Zombie geschenkt bekommen. Ein ungewöhnliches Geschenk, das muss ich schon sagen. Es ist ein recht guter Zombie, beide Arme noch dran, das rechte Bein ist allerdings gebrochen, so dass er beim Laufen etwas wackelt. Aber ich denke, ich werde da demnächst eine Holzschiene basteln, dann sollte das wieder einigermaßen klappen, mit dem Laufen, nicht wahr, Klaus-Theo? Klaus-Theo ist der Zombie. Er steht hinter mir auf Stand-by, er glotzt ganz gerne in die Mattscheibe. Glaube ich. Emotional gesehen ist er etwas verschlossen. Was man bezüglich seiner Physis nicht sagen kann. Die Bauchhöhle kann man aufklappen, ich stell meistens eine Flasche Bier rein, das ist ganz praktisch. Blöde ist nur der Geruch. Ich habe schon mehrere Duftbäumchen an ihm aufgehängt, Kokos an die Ohren, Tannenduft an die herausstehende Rippe. Es muffelt aber immer noch faulig. Vielleicht schicke ich ihn mal ins Schwimmbad.
Allerdings weiß ich nicht so recht, was ich mit ihm anfangen soll. Als Transport-Vehikel ist er recht ungeeignet, die Bauchhöhle ist einfach zu klein. Und seine rechte Hand ist zu einer Faust geballt, die er nicht locker läßt. Immerhin sorgt er für Gesprächsstoff, und auch bei irgendwelchen Vertretern an der Haustür hat er sich schon bewährt.
Nun, egal. Sein Mindesthaltbarkeitsdatum ist sowieso bald abgelaufen, praktischerweise kann man ihn direkt in der Biotonne entsorgen. Also Stück für Stück. Meist fallen auch einfach Teile ab, so dass man nur ganz am Schluss ein bisschen mit der Axt nachhelfen muss.
Ja, das ist die Axt, Klaus-Theo, richtig. Die brauchen wir aber jetzt noch nicht. Leg sie wieder zurück. Manchmal hat er eine etwas lange Leitung. Leg sie zurück, komm. Komm--eh!