Miesepetrige Sprachkolumne
Was diesem Blog fehlt, ist eine miesepetrige Sprachkolumne. Hier kommt sie:
Was ist das für ein prächtiges Wort: "Vielerorts"! Die Nachrichtenhintergrundsprecher verwenden es - noch - oft und gerne. "Vielerorts": Ein komprimiertes "an vielen Orten", ein Kleinod deutscher Sprachpräzision. Im Deutsch unserer Tage haben sich wenige solcher Worte halten können und anscheinend auch nur im Biotop der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Wie öde und leer dagegen die mundgerecht vorgekauten, plastikdeutschen Hintergrundkommentare der Privatsender, die dem Pöbel in den News von Trends und Stars berichten, und das mit einem Wortschatz, der auf eine Zigarettenschachtel passt.
Die Deutschen sind bekannt für ihre Ingenieurskunst, und sie waren einst bekannt für ihre Sprachingenieure. Die Sprachingenieure dachten: "'An vielen Orten', wie bekommen wir das kleiner, kürzer, effizienter hin?" Ihnen sind Worte zu verdanken wie "hinterrücks", "bisweilen" oder "Eigenheim". Da ist kurz und sinnfällig in einem Wort, was sonst mehrerer bedürfte. Doch haben die Deutschen heutzutage nichts besseres zu tun, als diese Worte in die Mottenkiste zu packen und hippe Ausdrücke aus dem ach so pragmatischen Amerikanisch-Englisch zu importieren. Der Duden bläst eifrig ins selbe Horn und - schwupps - finden wir diese Unworte binnen kürzester Zeit in der vermeintlichen Richtschnur deutscher Sprache wieder.
Hoffnung dämmert von unerwarteter Seite: Vom deutschen Sprechgesang. Dort finden gelegentlich vom Aussterben bedrohte Worte Unterschlupf, was nicht verwundert, ist doch die Sprache das tragende Element in dieser Stilrichtung. Auch so in genannten "Poetry Slams" setzen die Teilnehmer auf die scheinbare Exotik alter deutscher Worte. Daher bleibt nur der Aufruf: "Germanophile, Linguisten! Hört mehr 'Fanta 4'!"

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